Komponisten:

Beethoven 1814, ganz echt (Stich von Höfel)Ludwig van Beethoven
1770 - 1827


geboren am: 17. Dezember 1770 in Bonn

gestorben am: 26. MĂ€rz 1827 in Wien

Lebensalter: 56 Jahre

Beethoven begreifen
bedeutet, sich erschĂŒttern lassen von seinen Tönen. Es ist eine heilsame ErschĂŒtterung, die schon viele Leben verĂ€ndert hat. Rilke schrieb nach einem Beethoven-Konzert: “Beethoven sprach - mir zittern noch die Sinne!”. Bettina von Brentano, die einige Zeit in engem Briefwechsel und GesprĂ€ch mit Beethoven stand, sagte: “Ich weiß, wie unrecht man ihm tut, gerade weil man zu klein ist, ihn zu begreifen.”

Was macht die GrĂ¶ĂŸe Beethovens aus? Schubert gibt in einem GesprĂ€ch einen Hinweis darauf: “Beethoven begreift niemand so recht, er mĂŒsste denn recht viel Geist und noch mehr Herz haben, und entsetzlich unglĂŒcklich lieben oder sonst unglĂŒcklich sein.”

Beethovens UnglĂŒck
begann im Jahre 1798, als eine Darmerkrankung sich auf sein Gehör auswirkt. Er bekommt OhrgerĂ€usche (Tinnitus) und hört erst bestimmte Töne schlecht, dann immer weniger. Lautes Sprechen und GerĂ€usche erlebt er als Schmerz. Das nimmt nach und nach zu und fĂŒhrt im Jahr 1819 zur vollstĂ€ndigen Ertaubung. Als er seine große “Durchbruch-Symphonie”, die Eroica (Nr. 3), schreibt, ist er bereits so schwerhörig, dass er sich nicht mehr normal unterhalten kann.

An seinen Freund Franz Wegeler eröffnet er erstmals am 29.06.1801 die Katastrophe. (In dieser Zeit Komposition der 12. Klaviersonate op.26; Christus am Ölberg op.85) Der Brief Beethovens

Doch es wÀre verfehlt, nur Tragik und Leid in dieser Krankheit zu sehen. Beethovens Schaffen ist auf das Innigste verbunden mit seiner Lebensgeschichte. Das ist neu in der Geschichte der Komponisten: die Werke lassen sich nicht mehr unabhÀngig von der Biographie betrachten, wie das bei Mozart und Bach noch gut möglich ist.
Beethovens Werke spiegeln seinen LebensbewĂ€ltigungsprozess wider, und der ist  ganz im Sinne Novalis‘  ein Prozess der Menschwerdung. (Novalis: “Mensch werden ist eine Kunst.”)

Beethovens Leben
Ausbildung
Kind einer in Bonn ansĂ€ssigen niederlĂ€ndischen Musikerfamilie, der Vater ist ein unbedeutender SĂ€nger an der KurfĂŒrstlichen Hofkapelle. Ludwig ist begabt, der Vater erklĂ€rt ihn fĂŒr zwei Jahre jĂŒnger und versucht, einen Wunderknaben aus ihm zu machen Ă  la Mozart, woraus aber nichts wird. Mit 8 Jahren erstes öffentliches Auftreten. Ab 12 Jahren Unterricht bei namhaften Musikern, erste Kompositionen.


Beethoven als KnabeMit 16 Jahren reist Beethoven nach Wien und besucht Mozart, vom 7. bis 20. April 1787. Mozart ist sehr in Zeitdruck, mit großen Kompositionen beschĂ€ftigt (z.B. Beginn von Don Giovanni); vor drei Tagen verfaßte er den berĂŒhmten Brief an seinen kranken Vater ĂŒber sein freundschaftliches VerhĂ€ltnis zum Tod. - Mozart soll ĂŒber Beethoven gesagt haben: “Auf den gebt Acht, der wird einmal in der Welt noch von sich reden machen”. Doch Beethoven kehrt vorzeitig zurĂŒck nach Bonn, seine Mutter ist schwer erkrankt und stirbt im Juli desselben Jahres. Von nun an muß Beethoven sein Leben selbst in die Hand nehmen, der Vater ist nur eine Hintergrundgestalt. Zum GlĂŒck hat Beethoven im Bonner KurfĂŒrsten Maximilian Franz einen großzĂŒgigen Gönner, der ihm schon seit dem 14. Lebensjahr ein kleines Gehalt als “zweiter Hoforganist” zahlt.
Mozarts Vater stirbt bereits im Mai. Was der Vater fĂŒr Mozart, muß die Mutter fĂŒr Beethoven bedeutet haben: “Meine Freude und mit ihr meine Gesundheit begannen aufzuhören”. Er wird Mozart nicht wiedersehen, der stirbt vier Jahre spĂ€ter. Beethoven ist erschĂŒttert: “Wer wird die Welt ob dieses Verlustes trösten?” Ein Jahr darauf, 1792, zieht Beethoven selbst nach Wien, um bei Haydn Unterricht zu nehmen. Graf Waldstein sprach es aus: “...erhalten Sie Mozart’s Geist aus Haydn’s HĂ€nden”.


Freischaffender “Tondichter” (wie er sich spĂ€ter selbst nennt)
Das Hoforganisten-Gehalt lĂ€uft als Stipendium des kunstverstĂ€ndigen Bonner KurfĂŒrsten weiter bis 1795. Dann ist Beethoven auf eigenes Einkommen angewiesen. Er beginnt seine Werke zu nummerieren (“Opus”)  und verhandelt mit DruckhĂ€usern und Verlegern.
Mit 28 Jahren beginnt sein Gehörleiden, er schreibt die Klaviersonate Sonata Pathétique. Im Jahre 1800 entsteht die 1. Symphonie C-Dur (op.21). Sie klingt noch wie Mozart.

Beethoven 1802 (Medaillon Hornemann)Das Jahr 1801 erlebt Beethoven himmelhoch jauchzend und zu Tode betrĂŒbt. Bei einem Kuraufenthalt verliebt er sich in die 17jĂ€hrige Adelige Giulietta (Julia) Guicciardi. Sie ist die “Unsterbliche Geliebte”, an die er den wohl berĂŒhmtesten Liebesbrief der Romantik schreibt. Nur leider vergaß er das Datum (-er schrieb nur “am 6ten Juli morgens”-).
Es sollte bis zum Jahr 1971 (!) dauern, bis die Literaturwissenschaft die Adressatin des Liebesbriefes sicher bestimmen konnte. Da tauchte nÀmlich ein weiterer Brief Beethovens auf, an die Mutter Giuliettas, der den zeitlichen Zusammenhang klÀrt.
 Bis dahin wurde der Liebesbrief wegen Nebenbemerkungen, die wissenschaftlich ausgedeutet wurden, in das Jahr 1812 datiert, was zu akrobatischen ErklĂ€rungs-versuchen fĂŒhrte, denn dort paßt ein solch glĂŒhender Erguß nicht hinein. Viele BĂŒcher enthalten noch diesen Fehler.

Neben der verliebt-schwelgerischen FrĂŒhlingssonate F-Dur op.24 und dem entzĂŒckenden Ersten Klavierkonzert C-Dur op.15 entstehen im Jahre 1801 die Klaviersonate As-Dur op.26 mit Beethovens erstem “Trauermarsch”, das erschĂŒtternd dramatische Oratorium Christus am Ölberg (von Beethoven erst spĂ€ter mit op.85 versehen) und schließlich die Giulietta Guicciardi gewidmete Mondscheinsonate cis-moll op.27/2. Aus der Liebe wird nichts, weil Beethoven nicht zum Adel gehört, die Familie Guicciardi distanziert sich von ihm.

Krise
Beethoven ist zurĂŒckgeworfen in seine Einsamkeit, in sein Elend. Er durchlebt die tiefste Krise seines Lebens. 1802, bei einem Kuraufenthalt in Heiligenstadt (bei Wien), schließt er mit dem Leben ab in dem berĂŒhmten “HeiligenstĂ€dter Testament”. Dort eröffnet er seine Krankheit, die er bisher geheimzuhalten versuchte. “O ihr Menschen, die ihr mich fĂŒr feindselig, störrisch oder misanthropisch (= menschenfeindlich) haltet, wie unrecht tut ihr mir! Ihr wißt nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet...” Es fehlte wenig, und Beethoven endigte sein Leben. Allein die Musik hielt ihn zurĂŒck. Hier ist der Brennpunkt seines Schaffens: “FĂŒr dich gibt es kein GlĂŒck mehr als in dir selbst, in deiner Kunst!” Das Schicksal verschließt Beethoven nach und nach das Ă€ußere Ohr, zwingt ihn auf sich selbst zurĂŒck, um ihm desto intensiver das innere Ohr zu öffnen. In Beethovens Seele vollzieht sich der Übergang von der “Klassik” zur “Romantik”. Um das Jahr 1800  plus minus zwei Jahre -  lassen sich in Beethovens Werken wie beim Spielen um eine Radiofrequenz herum die verschiedensten “Sender” fĂŒr diesen Wandel finden.

Heldentum

Beethoven 1804 (PortrĂ€t MĂ€hler)Mit dem Durchleben des inneren Todes aufersteht in Beethovens Seele ein neuer Ton, der sich in seiner 3. Symphonie Es-Dur op.55 Bahn bricht: der berĂŒhmten Eroica (= Heldensymphonie). Sie hat die Musikgeschichte verĂ€ndert. UrsprĂŒnglich wollte er sie dem verehrten Napoleon widmen. Doch als jener sich selbst zum Kaiser krönt, zerreißt Beethoven das Titelblatt mit der Widmung. - Der Dirigent Charles Munch wurde einmal gefragt, wer denn nun der “Held” der Eroica sei? Er antwortete treffend: “Der, der sie hört.”




Schöpfertum
Nun entstehen in steter Folge insgesamt neun Symphonien, 32 Klaviersonaten, 16 Streichquartette, 5 Klavierkonzerte, 60 Klavierwerke, 40 TĂ€nze und Menuette, zahlreiche Kammermusikalische Werke, OuvertĂŒren, ein Violinkonzert und ein Tripelkonzert, ĂŒber 200 Lieder(!), 12 Kantaten und Chorwerke, eine Oper und am Ende die große Missa solemnis. Beethovens Werk-Nummern reichen bis op.136, und weit ĂŒber 200 Werke existieren “ohne Opuszahl”  abgekĂŒrzt in deutscher GrĂŒndlichkeit mit “WoO”, Werk ohne Opuszahl. Beethoven schuf neben seinen großen Werken unaufhörlich und zu allen Gelegenheiten kleine “Gebrauchsmusiken”. Und selbst den einfachsten TĂ€nzen und Liedern setzte er seinen besonderen Stempel auf.

Einsamkeit und Ruhm
Beethoven erntete in der breiten Masse UnverstĂ€ndnis, doch bei den Musikkritikern und Gebildeten steigende Achtung und Anerkennung. Das Wort vom “RevolutionĂ€r der Musik” wird geprĂ€gt. Beethoven notiert: “Du darfst nicht Mensch sein, fĂŒr dich nicht  nur fĂŒr andere... Alles was Leben heißt, sei der erhabenen Kunst geopfert! Nur in deiner Kunst leben! So beschrĂ€nkt du auch jetzt deiner Sinne wegen bist, so ist dieses doch das einzige Dasein fĂŒr  dich.” Neu aufflackernde GefĂŒhle zu einer Frau muß er bald begraben: “Nein, nichts als Wunden hat die Freundschaft und ihr Ă€hnliche GefĂŒhle fĂŒr mich.  So sei es denn, fĂŒr dich gibt es kein GlĂŒck von außen, du mußt dir alles selbst erschaffen, nur in der idealen Welt findest du Freude.” (1810)


VerklÀrte Reife
Die letzten zehn Jahre seines Lebens ist Beethoven völlig taub. Er wird laufend von Neugierigen besucht. GesprĂ€che fĂŒhren sie ĂŒber Konversationshefte, die noch heute existieren. Die Erinnerungen an Begegnungen mit Beethoven hat die nachfolgende Generation verklĂ€rend ausgeschmĂŒckt. - In seinen spĂ€ten Streichquartetten lebt eine GrĂ¶ĂŸe der Seele, die einzigartig in der gesamten Musikgeschichte ist. BerĂŒhmte Beispiele dafĂŒr sind die Cavatina aus dem B-Dur Streich-quartett op.130 und der “Heilige Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit”, aus dem a-moll Streichquartett op.135. - Krönung seiner monumentalen Werke sind die Neunte Symphonie in d-moll op.125 und die praktisch gleichzeitig komponierte gigantische Missa solemnis op.123. Beethoven hatte PlĂ€ne fĂŒr eine zehnte Symphonie, in der der “strenge Satz” der Polyphonie und der Gregorianische Choral verarbeitet werden sollten, die Wurzeln der abendlĂ€ndischen Musik; doch er kam nicht mehr dazu.


Beethoven 1815 (PortrĂ€t MĂ€hler)Seinem Sarg folgten 20 000 Menschen. Schubert war einer der FackeltrĂ€ger, Grillparzer hielt die Grabrede. - Bis heute besteht in der Rezeption Beethovens die Neigung, seine Musik als einen Volksbesitz zu betrachten (“unser Beethoven”), ohne ihr wirklich zuzuhören. Das “Freude schöner Götterfunken” kennt praktisch jeder. Doch wer kennt seine 9. Symphonie?

 


Zeitgeschichte

Beethovens Lebzeiten sind von UmbrĂŒchen und heftigen kriegerischen Ereignissen geprĂ€gt.

1776 UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der Vereinigten Staaten von Amerika/ 1789 Französische Revolution/ 1792 Beginn der Napoleonischen Kriege/ 1804 Napoleon ernennt sich selbst zum Kaiser/ 1805-1814 Besetzung und Beschießung Wiens (- Beethoven flĂŒchtet sich vor dem LĂ€rm in Keller und drĂŒckt sich Kissen auf die Ohren. Das Kanonengetöse, die Sprengungen der BefestigungswĂ€lle martern sein schwaches und hochempfindliches Gehör.- ) /1814/15 Wiener Kongress (- Zum Sieg ĂŒber Napoleon komponiert Beethoven “Wellington’s Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria” op.91 und die Kantate op.136 “Der glorreiche Augenblick”- ).

Infolge der Aufhebung zahlreicher geistlicher und weltlicher Höfe, die fast alle ihre eigenen Musiker hatten, gab es eine Schwemme von Musiklehrern und musikalisch Gebildeten. Es bestand großer Bedarf an aktueller Gebrauchsmusik, das aufstrebende BĂŒrgertum pflegte die Musik in praktisch jedem Haus, in Konzertvereinen, Stadtkapellen. Ein gĂŒnstiges Umfeld fĂŒr Komponisten... 

 

Teil 1 Beethovens Leben
Teil 2
Fortsetzung: Beethoven 2 (Beethovens Person)
Teil 3 Fortsetzung: Beethoven 3 (Beethovens schöpferisches Lebensfeld)
Teil 4 Fortsetzung: Sein UnglĂŒck

Klassik-Tipp: Empfehlungsliste (Discographie) Beethoven



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Letzte Änderung: Sonntag, 9. Juni 2019  

 

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